Nach einem Unfall oder anderweitig bedingtem Zahnverlust in die Praxis kommen und noch an demselben Tag mit neuem, festen Implantat-Zahnersatz wieder nach Hause gehen – ist das möglich?
Ja, das geht.
Unter bestimmten Voraussetzungen (u. a. ausreichender Knochensubstanz) können sogenannte Sofortimplantate direkt nach einer Zahnextraktion (Sofortimplantation) oder bis maximal 4 – 8 Wochen (Frühimplantation) nach Zahnverlust innerhalb einer einzelnen Sitzung gesetzt und mit provisorischem Zahnersatz versorgt werden.
Die Angst vor dem zahnlosen Lächeln
Unabhängig davon, ob ein einzelner Zahn fehlt, mehrere Zähne fehlen oder der Kiefer komplett zahnlos ist, werden mit einer implantologischen Behandlung die für den Patienten komfortabelsten Ergebnisse erzielt. Dabei werden Implantate als künstliche Zahnwurzeln eingesetzt, auf denen sich der Zahnersatz sicher befestigen lässt. Die Behandlung kann je nach individueller Ausgangslage insgesamt einige Monate dauern.
Die Aussicht auf einen längeren Behandlungszeitraum wirkt auf viele Betroffene zunächst abschreckend. Es besteht die Sorge, womöglich über Wochen und Monate zahnlos bzw. mit auffälligen Zahnlücken leben zu müssen – und das bei Suppe und Breikost. Die Chance, Implantate und den fertigen Zahnersatz an einem Tag zu erhalten, scheint sehr verführerisch. Dabei sind diese Ängste unbegründet: Kein Patient sieht während einer Behandlung entstellt aus oder muss hungern. Zudem besteht die Möglichkeit einer Sofortversorgung ohne Sofortbelastung.
Doch was genau bedeutet das?
Sofortversorgung
Nach dem Zähne ziehen sofort das Implantat setzen
Voraussetzung für einen langfristigen, dauerhaften Behandlungserfolg ist die sichere Einheilung der Implantate: Das Implantat geht eine feste, knöcherne Verbindung mit dem Kieferknochen ein, die sogenannte Osseointegration. Dieser Prozess braucht seine Zeit, in der das Implantat vor starken Belastungen und Bewegungen geschützt werden sollte. Geschieht dies nicht, kann es zu einer Traumatisierung und in der Folge schlimmstenfalls zu einem Implantatverlust kommen.
Bei der Sofortversorgung wird direkt nach dem Einsetzen auf den Implantaten ein provisorischer Zahnersatz fixiert. Das kann z.B. eine Krone auf einem Einzelzahnimplantat oder – bei mehreren fehlenden Zähnen – auch eine Brücke sein. Das Provisorium wird aus zahnfarbenem Kunststoff individuell angefertigt und sorgt vor allem im sichtbaren Frontzahnbereich für eine adäquate Ästhetik während der Einheilzeit. Durch die Formgebung des Provisoriums kann sichergestellt werden, dass die darunterliegenden Implantate beim Kauen nicht funktionell belastet werden: Es findet kein Kontakt zu den Zähnen im gegenüberliegenden Kiefer statt (engl. non occlusion). Nach einer bestimmten Zeit kann dann der endgültige Zahnersatz befestigt werden.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Vimeo. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSofortversorgung eines mittleren Schneidezahns
Ob ein Konzept zur Sofortversorgung mit guter Prognose realisierbar ist, hängt von verschiedenen Aspekten ab. Die Qualität und das Volumen des Kieferknochens, in den das Implantat eingedreht wird, sind entscheidend. Außerdem muss das Implantat mit einem ausreichenden Drehmoment eingebracht werden (ab 25 Ncm). Nur so wird gleich zu Beginn die benötigte Stabilität des Implantats erreicht.
Sofort belastbare Zahnimplantate
Eine Sofortbelastung besteht, wenn nach einer Implantation Zahnersatz mit der endgültigen, bereits auf die Gegenzähne angepassten Form eingegliedert wird. Die beim Kauen entstehenden Kräfte werden so direkt in das Implantat und den umgebenden Kieferknochen geleitet. Eine solche Sofortbelastung gilt nur in ausgewählten Fällen als sinnvoll.
Die Deutsche Gesellschaft für Implantologie im Zahn-, Mund- und Kieferbereich e. V. – ebenso wie andere nationale und internationale Fachgesellschaften – warnen vor einem erhöhtem Misserfolgsrisiko bei zu früher bzw. unkontrollierter Belastung. Für den betroffenen Patienten kann das mit viel Kummer und Leid einhergehen: Nicht nur gesundheitliche Einschränkungen wie Schmerzen sind zu verkraften, sondern auch das für den Eigenanteil an den Behandlungskosten investierte Geld ist verloren. Den am Kiefer entstandenen Schaden wieder zu beheben und die Zahnlücke neu zu versorgen, kostet noch mehr Zeit und Geld.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenDirekte Versorgung von drei Schneidezähnen mittels Implantaten & einer provisorischen Brücke
Wann ist ein Sofortimplantat möglich?
Ein Sofortimplantat ist nicht in jeder Situation die richtige Wahl. Ob es sinnvoll und mit guter Prognose einsetzbar ist, entscheidet sich anhand mehrerer Voraussetzungen, die wir vor der Behandlung sorgfältig prüfen:
- Ausreichende, stabile Knochensubstanz: Das Implantat muss von Anfang an fest im Kieferknochen sitzen (hohe Primärstabilität). Dafür müssen genügend Knochenhöhe und -breite vorhanden sein.
- Entzündungsfreies Zahnfach: Die Alveole (das leere Zahnfach nach der Zahnentfernung) sollte frei von akuten Entzündungen sein. Bestehende Infektionen müssen zunächst ausheilen.
- Günstige Lage: Besonders geeignet sind einwurzelige Zähne, vor allem im Frontzahnbereich. Bei mehrwurzeligen Backenzähnen ist die Ausgangslage anspruchsvoller.
- Ausreichendes Weichgewebe: Für ein ästhetisch schönes und stabiles Ergebnis sollte genügend gesundes Zahnfleisch vorhanden sein.
- Guter Allgemeinzustand: Bestimmte Faktoren wie eine unbehandelte Zuckerkrankheit oder starkes Rauchen können die Einheilung beeinträchtigen und sollten vorab besprochen werden.
Ist eine dieser Voraussetzungen nicht erfüllt – etwa bei stark abgebautem Knochen –, ist häufig eine klassische Implantation nach vorherigem Knochenaufbau die sicherere Lösung. Mithilfe der modernen 3D-Diagnostik (DVT) lässt sich schon vor dem Eingriff genau beurteilen, ob ein Sofortimplantat in Ihrem Fall möglich ist.
Vorteile und Nachteile von Sofortimplantaten
Ein Sofortimplantat bringt spürbare Vorteile mit sich, ist aber, wie grundsätzlich jede Behandlungsmethode, nicht für jede Situation geeignet.
Vorteile
- Kürzere Gesamtbehandlung: Extraktion und Implantation erfolgen in einer Sitzung – die monatelange Wartezeit vor der Implantation entfällt.
- Weniger Eingriffe: Ein einzelner chirurgischer Eingriff bedeutet weniger Belastung, gerade für ängstliche Patientinnen und Patienten.
- Keine sichtbare Lücke: Mit einer Sofortversorgung ist der Bereich – besonders im Frontzahnbereich – von Anfang an ästhetisch versorgt.
- Erhalt von Knochen und Gewebe: Das sofortige Einsetzen in das Zahnfach kann dazu beitragen, den nach einer Zahnentfernung einsetzenden Knochenabbau zu verringern und die natürliche Form des Zahnfleisches zu erhalten.
Nachteile und Grenzen
- Etwas höheres Verlustrisiko: Im Vergleich zur klassischen Implantation nach abgeschlossener Ausheilung ist das Risiko eines Implantatverlusts leicht erhöht – vor allem bei ungünstiger Knochenqualität.
- Nicht für jeden geeignet: Ein Sofortimplantat setzt bestimmte anatomische und gesundheitliche Voraussetzungen voraus (siehe Abschnitt Voraussetzungen zuvor).
- Höhere Anforderungen an die Planung: Weil mehrere Schritte in einer Sitzung zusammenkommen, erfordert das Verfahren besondere Erfahrung und eine sorgfältige Diagnostik.
Ob die Vorteile in Ihrem Fall überwiegen, lässt sich erst nach einer gründlichen Untersuchung sagen. Genau deshalb steht am Anfang einer Behandlung in unserer Praxis immer eine sorgfältige, individuelle Diagnostik.
Wie läuft die Behandlung mit einem Sofortimplantat ab?
In geeigneten Fällen gliedert sich eine Sofortimplantation in unserer Praxis typischerweise in folgende Schritte:
- Planung und 3D-Diagnostik: Zunächst beurteilen wir anhand einer dreidimensionalen Aufnahme (DVT) die Knochensituation und planen die optimale Position des Implantats.
- Schonende Zahnentfernung: Der nicht erhaltungswürdige Zahn wird möglichst atraumatisch entfernt, um Knochen und Zahnfleisch zu schonen.
- Einsetzen des Implantats: Das Implantat wird direkt in das leere Zahnfach eingebracht. Ein verbleibender Spalt zwischen Implantat und Knochen kann bei Bedarf mit Knochenersatzmaterial aufgefüllt werden.
- Prüfung der Primärstabilität: Wir stellen sicher, dass das Implantat von Anfang an fest im Knochen sitzt – die Grundvoraussetzung für eine mögliche Sofortversorgung.
- Provisorische Versorgung (Sofortversorgung): In geeigneten Fällen wird noch in derselben Sitzung ein Provisorium eingesetzt, das im Frontzahnbereich die Lücke ästhetisch schließt.
- Endgültiger Zahnersatz: Nach der Einheilung des Implantats – in der Regel nach einigen Monaten – wird der dauerhafte Zahnersatz angefertigt und befestigt.
So sind die entscheidenden Schritte in einer einzigen Sitzung möglich, während der endgültige Zahnersatz nach der sicheren Einheilung folgt.
Was kostet ein Sofortimplantat? Was zahlt die Krankenkasse?
Die Kosten setzen sich bei Sofortimplantaten, wie bei anderen Implantaten, aus mehreren Teilen zusammen: dem Implantat selbst, dem darauf befestigten Zahnersatz (Krone, Brücke) sowie eventuellen Zusatzleistungen. Als grobe Orientierung liegt ein einzelnes Implantat samt Krone häufig im Bereich von etwa 1.500 bis 3.000 Euro – der genaue Betrag hängt von Material, Aufwand und Ihrer individuellen Situation ab.
Ein Vorteil des Sofortimplantats: Da das Implantat direkt in das vorhandene Zahnfach gesetzt wird, ist häufig kein separater Knochenaufbau nötig, was die Kosten gegenüber einer klassischen Implantation mit Aufbau senken kann.
Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen einen Festzuschuss für den Zahnersatz (etwa die Krone), nicht jedoch für das Implantat selbst. Ein Bonusheft und eine private Zahnzusatzversicherung können Ihren Eigenanteil spürbar senken.
Weitere Informationen zu Zahnimplantat-Kosten und Kostenübernahme sowie zu Zahnzusatzversicherungen und Bonusheftregelung erhalten Sie über die nachfolgenden Links:
Häufige Fragen zu Sofortimplantaten
Ist das Einsetzen eines Sofortimplantats schmerzhaft?
Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung und ist dadurch in der Regel schmerzfrei. Da das Implantat in das vorhandene Zahnfach gesetzt wird und häufig kein Aufschneiden des Zahnfleisches nötig ist, fallen Schwellungen und Beschwerden danach meist gering aus. Auf Wunsch und bei Angst besprechen wir zusätzliche Möglichkeiten wie eine Sedierung.
Wie lange hält ein Sofortimplantat?
Ein gut eingeheiltes Implantat kann viele Jahre bis Jahrzehnte halten – bei guter Mundhygiene und regelmäßiger Kontrolle mitunter ein Leben lang. Entscheidend sind die sorgfältige Pflege, regelmäßige professionelle Zahnreinigungen und der Verzicht auf starkes Rauchen.
Eignet sich ein Sofortimplantat auch für Backenzähne?
Am besten geeignet sind einwurzelige Zähne, insbesondere im Frontzahnbereich. Bei mehrwurzeligen Backenzähnen ist die Ausgangslage anspruchsvoller, ein Sofortimplantat aber nicht ausgeschlossen. Ob es möglich ist, beurteilen wir anhand der individuellen Knochen- und Zahnsituation.
Muss ich nach der Behandlung mit einer Zahnlücke leben?
Nein. In geeigneten Fällen versorgen wir das Implantat noch in derselben Sitzung mit einem festen Provisorium, sodass gerade im sichtbaren Bereich keine Lücke entsteht.
Was passiert, wenn ein Sofortimplantat nicht möglich ist?
Sind die Voraussetzungen nicht erfüllt (etwa bei zu wenig oder entzündetem Knochen), ist eine klassische Implantation, gegebenenfalls nach einem Knochenaufbau, die sicherere Alternative. Auch damit erreichen wir ein sehr gutes und langlebiges Ergebnis.
Kann das Implantat sofort voll belastet werden?
Meist nicht. In den allermeisten Fällen wird das Provisorium so gestaltet, dass es beim Kauen nicht voll belastet wird, damit das Implantat sicher einheilen kann (Sofortversorgung). Eine echte Sofortbelastung setzen wir nur in ausgewählten Fällen ein.




Empfehlung
Implantatgetragener Zahnersatz ist die hochwertigste und komfortabelste Versorgungsmöglichkeit bei fehlenden Zähnen – vorausgesetzt, der behandelnde Zahnarzt bzw. Zahnimplantat-Spezialist stellt einen exakt auf die individuelle Mundsituation des Patienten abgestimmten Behandlungsplan auf. Pauschallösungen gibt es in der Implantologie nicht. Der verantwortungsvolle, vertrauenswürdige Zahnarzt und Spezialist für Implantologie klärt den Patienten umfassend und verständlich über die Möglichkeiten der Sofortversorgung sowie die Unterschiede zu einer Sofortbelastung auf. Und er wird Letztere nur in absoluten Ausnahmefällen als Behandlungsoption zur Wahl stellen.
- Ihr ganz persönliches Kostenbeispiel
- Detailliertes Ergebnis
- 100% kostenlos & unverbindlich
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Implantologie im Zahn-, Mund- und Kieferbereich (DGI), Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK): S2k-Leitlinie „Implantationszeitpunkte“ (AWMF-Registernummer 083-040), Stand Juli 2023. Link
- Deutsche Gesellschaft für Implantologie im Zahn-, Mund- und Kieferbereich (DGI), Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK): S3-Leitlinie „Konventionelle und Computer-assistierte Implantatinsertion“ (AWMF-Registernummer 083-052), Stand 2025. Link