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Prophylaxe & Vorsorge

Aphten

Viele kennen es: Auf einmal macht sich eine schmerzhafte Stelle im Mund bemerkbar. Nach einem prüfenden Blick, offenbart sich ein gelblich-weißer, rotumrandeter Fleck. Das ist das typische Aussehen einer Aphte.

Apthen - Schädigung der oralen Schleimhaut
Im Überblick

Was sind Aphten?

Themen im Überblick

Gefährlich oder gar ansteckend sind sie zwar nicht, dafür umso unangenehmer für den Betroffenen. Denn Aphten (bzw. Aphthen) sind schmerzhafte, von einem entzündlichen Rand umgebene Schädigungen der oralen Schleimhaut.

Vorkommen können sie praktisch im gesamten Mundraum – sowohl am Zahnfleisch wie auch an Lippen, Rachenmandeln oder auf der Zunge. Genauer gesagt, an der nicht-keratinisierten, beweglichen Schleimhaut (Wangeninnenseite, Lippeninnenseite, Zungenrand, Mundboden).

Davon klar abzugrenzen ist die sogenannte Mundfäule (Gingivostomatitis herpetica, früher auch als Stomatitis aphthosa bezeichnet). Dabei handelt es sich trotz des ähnlichen Aussehens nicht um echte Aphten, sondern um die Erstinfektion mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1. Diese ist im Gegensatz zu echten Aphten ansteckend und betrifft vor allem Kleinkinder. Treten echte Aphten dagegen immer wieder auf, spricht man in der Fachsprache von einer chronisch rezidivierenden Aphthose.

Wichtig: Treten Aphten gehäuft auf, sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen, da sie in Zusammenhang mit schwerwiegenden Erkrankungen stehen können.

Stomatitis Aphthosa
Aphten erkennen

Symptome einer Aphte​

Komorbidität

Aphten als Begleitsymptome anderer Krankheiten​

Auftreten

Wie häufig sind Aphten?

Aphten gehören zu den häufigsten Erkrankungen der Mundschleimhaut. Schätzungen zufolge ist etwa jeder zehnte Mensch im Laufe seines Lebens davon betroffen. Die meisten Menschen haben das erste Mal als Jugendliche oder junge Erwachsene damit zu tun, Frauen etwas häufiger als Männer. Ältere Menschen sind dagegen seltener betroffen.

Nach Größe und Erscheinungsbild verteilen sich die drei Formen auf:

  • Minor-Aphten: rund 85% – die mit Abstand häufigste Form
  • Major-Aphten: etwa 10%
  • Herpetiforme Aphten: etwa 5% – die seltenste Form
Erscheinungsbilder

Welche Formen von Aphten gibt es?

Solitäre Aphten treten einzeln auf und heilen normalerweise von alleine wieder ab. Kehren die Läsionen immer wieder zurück, spricht man von habituellen oder chronisch rezidivierenden Aphthen. Aphten werden in der Regel in Größe und Erscheinungsbild kategorisiert und in drei unterschiedliche Typen eingeteilt:

Minor-Typ (2-5mm, ca. 85% aller Aphten)

Bei kleineren Läsionen spricht man von sogenannten Minor-Aphten. Diese sind meist nur wenige Millimeter groß und zeigen sich als weißlich-gelbe, flache Schleimhautdefekte. Rund 85 Prozent aller betroffenen Patienten leiden unter dieser Form. Minor-Aphten heilen normalerweise innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst ab.

Werden die Läsionen deutlich größer, werden sie als Major-Aphten bezeichnet. In vielen Fällen dauert die Heilungsphase oft mehrere Wochen, wobei auch Narben zurückbleiben können.

Bei dieser seltenen Form treten viele kleine Aphten in Bläschenform auf (genauer gesagt um viele kleine Ulzerationen in herpesähnlicher Anordnung). Betroffen sind vor allem die Zungenränder und die Innenseiten der Lippen. Aufgrund ihrer Erscheinungsform werden diese Aphten leicht mit einer Herpes-Infektion verwechselt. Herpetiforme Aphten sind oft sehr schmerzhaft, heilen aber in der Regel nach etwa zwei Wochen vollständig ab.
Aphte an der Lippeninnenseite
Aphte: Ulcus in der Mundhöhle
Ursachen

Was sind die Ursachen für Aphten?

Wenn es auch in unserer heute so aufgeklärten Welt seltsam klingen mag, aber die genaue Ursache solitärer Aphten ist nach wie vor unbekannt. Meist geht man von mehreren möglichen Ursachen aus. Ein direkter Zusammenhang mit Viren oder Bakterien als Auslöser ließ sich bislang beispielsweise nicht eindeutig belegen. Unter anderem zählt ein geschwächtes Immunsystem, beispielsweise bei einem akuten Infekt, als möglicher Auslöser von Aphten. Daneben können einige Medikamente oder Störungen im Magen-Darm-Bereich ihre Entstehung begünstigen. Weiterhin kommen mechanische Reize, die zu oberflächlichen Verletzungen der Schleimhaut führen, als Ursache infrage. Hierzu zählen auch schlecht sitzende Prothesen, Zahnspangen oder dentale Schienen. Reiben oder drücken diese ständig am Zahnfleisch, können sich diese Stellen entzünden und Aphten entstehen.
Überblick

Aphten - Ursachen im Überblick

Verlauf

Wie verläuft eine Aphte?

Eine Aphte durchläuft meist mehrere typische Stadien. In den ersten Stunden kündigt sie sich häufig durch ein leichtes Kribbeln, Brennen oder Spannungsgefühl an der betroffenen Stelle an; noch bevor etwas zu sehen ist. Anschließend rötet sich die Stelle, schwillt leicht an und beginnt zu schmerzen.

Innerhalb von ein bis drei Tagen bildet sich daraus der typische, milchig-weiß belegte und rot umrandete Schleimhautdefekt. In dieser Phase sind die Schmerzen meist am stärksten und können das Essen, Trinken, Sprechen und Zähneputzen spürbar beeinträchtigen.

Nach einigen weiteren Tagen lassen die Beschwerden allmählich nach. Eine kleine Minor-Aphte ist in der Regel nach etwa ein bis zwei Wochen vollständig und ohne Narbe wieder verheilt. Größere Major-Aphten benötigen oft mehrere Wochen und können sogar Narben hinterlassen.

Wichtig: Heilt eine Aphte nicht innerhalb von zwei Wochen ab, sollten Sie einen Termin bei Ihrem Zahnarzt vereinbaren.

Diagnose von Aphten

Wie werden Aphten von einem Zahnarzt diagnostiziert?

Optik, Verlauf und Beschwerdebild sind bei Aphten im Normalfall so typisch, dass sie ohne besondere Hilfsmittel als Blickdiagnose erkannt werden können. Heilt eine Aphte nicht innerhalb von zwei Wochen von alleine ab, ist es ratsam, den Zahnarzt einen Blick darauf werfen zu lassen. Dabei werden nicht nur die Aphte selbst und die umliegende Schleimhaut, sondern auch die gesamte Mundschleimhaut, das Beschwerdebild und mögliche Auslöser wie die Ess- und Lebensgewohnheiten untersucht.

Bei wiederkehrenden, ungewöhnlich großen oder nicht abheilenden Aphten kann eine weiterführende Diagnostik sinnvoll sein, um eine zugrunde liegende Erkrankung als Ursache auszuschließen. Möglich sind u.a.:

  • eine Blutuntersuchung, etwa zur Abklärung von Mangelzuständen (z. B. Eisen, Vitamin B12, Folsäure) oder Hinweisen auf eine Allgemeinerkrankung
  • eine Gewebeprobe (Biopsie), wenn sich eine Veränderung nicht eindeutig zuordnen lässt oder nicht abheilt
  • ein Abstrich, um eine Herpesinfektion abzugrenzen, die einer Aphte ähneln kann
  • die Untersuchung weiterer Organe (z. B. des Darms), wenn der Verdacht auf eine systemische Erkrankung besteht
Behandlung

Wie werden Aphten behandelt?

Da die genaue Ursache von Aphten unbekannt ist, lässt sich nicht die Ursache selbst, sondern nur die Beschwerden behandeln. Die gute Nachricht: Die meisten Aphten heilen innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst wieder ab. Eine Behandlung dient daher vor allem dazu, die Schmerzen zu lindern und die Heilung zu unterstützen.

Bei einzelnen, gelegentlich auftretenden Aphten kommen vor allem örtlich anwendbare (topische) Mittel zum Einsatz. Üblich sind:

  • Schützende, filmbildende Präparate (z. B. mit Hyaluronsäure), die sich wie ein Schutzfilm über die wunde Stelle legen und so vor mechanischen und chemischen Reizen schützen
  • Antiseptische Mundspüllösungen oder Gele (z. B. mit Chlorhexidin), die die Keimbelastung im Mund verringern
  • Schmerzlindernde Mittel mit milden Lokalanästhetika als Gel, Salbe oder Lutschtablette (am besten vor den Mahlzeiten angewendet)
  • Adstringierende (zusammenziehende) pflanzliche Lösungen

Bei besonders ausgeprägten, sehr schmerzhaften oder häufig wiederkehrenden Aphten kann Ihr Zahnarzt Ihnen zusätzlich entzündungshemmende, kortisonhaltige Präparate zur örtlichen Anwendung verordnen. In schweren Fällen, bspw. bei sehr großen Aphten oder einer zugrunde liegenden Allgemeinerkrankung, kann auch eine fachübergreifende Behandlung notwendig werden.

Das können Sie selbst tun: Solange eine Aphte besteht, sollten Sie alles meiden, was die wunde Stelle zusätzlich reizt. Dazu gehören vor allem harte oder krümelige Speisen (z.B. Brotkrusten, Chips, Kekse), säurehaltige und scharfe Lebensmittel, Zitrusfrüchte sowie kohlensäurehaltige oder alkoholische Getränke. Auch sehr heiße Speisen und Getränke können die Beschwerden verstärken.

Wichtig: Heilt eine Aphte nicht innerhalb von zwei Wochen ab, tritt sie immer wieder auf oder ist sie ungewöhnlich groß, ist ein Besuch beim Zahnarzt ratsam; auch, um andere Erkrankungen sicher auszuschließen.

Unser Anspruch

Was sollte bei einer Aphte unter der Prothese getan werden?

Ist der Auslöser einer Aphte eine schlechtsitzende Prothese, können verschiedene Vorgehensweisen in Betracht gezogen werden. Manchmal reicht es schon, die Prothese an einigen Stellen zu unterfüttern, um wieder beschwerdefrei am gewohnten Leben teilzunehmen. Hat sich die Mundsituation jedoch sehr stark verändert, kann auch eine Neuversorgung nötig werden. Falls Ihnen ohnehin eine Neuversorgung Ihrer Prothese – etwa auf Implantaten – vorschwebt, können entsprechende Behandlungsschritte eingeleitet und eine lange Leidensphase vermieden werden.

Wichtig: Befinden sich Aphten unter einer Prothese, sollte der Gang zum Hauszahnarzt zeitig erfolgen, um möglichst schnell und unkompliziert die gewohnte Lebensqualität wiederherzustellen.

Quellen

Bild von Fachlich geprüft durch: Dr. Rüdiger Mintert
Fachlich geprüft durch: Dr. Rüdiger Mintert

Dr. med. dent. Rüdiger Mintert MOM, M.Sc., M.Sc. ist leitender Zahnarzt der Zahnärztlichen Praxisklinik Herne. Sein klinischer Schwerpunkt liegt in der Implantologie und Oralchirurgie. Er gilt als anerkannter Spezialist für Implantologie im Ruhrgebiet und ist seit vielen Jahren leitend in der ZPK Herne tätig.

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