Provisorischer Zahnersatz
Provisorischer Zahnersatz wie zum Beispiel eine provisorische Krone oder Brücke hat den Zweck, die Lage der abgeschliffenen Zähne gegenüber der Zahnlücke zu fixieren und sie gleichzeitig zu schützen. Abgebrochene oder abgeschliffene Zähne ähneln einem schlanken, verkürzten Zahnstumpf. Entsprechend fehlt sowohl der Kontakt zu den Nachbarzähnen als auch den Zähnen des gegenüberliegenden Kiefers. Dadurch ist die Gefahr gegeben, dass sich die präparierten Zähne verschieben oder in die Zahnlücke kippen. Durch ein Zahnprovisorium wird das vermieden.
Ein kleiner Ausflug in die Welt der Provisorien
Ein Provisorium ist gleichzeitig vorläufiger Zahnersatz (z. B. Krone, Brücke), der die Zeit bis zur Versorgung mit dem endgültigen Zahnersatz überbrückt. In Abhängigkeit von Tragedauer und Zweck eines Provisoriums unterscheiden wir zwischen Kurzzeitprovisorium und Langzeitprovisorium. Kurzzeitprovisorien – meist aus Kunststoff – überbrücken einen Zeitraum von wenigen Tagen bis wenigen Wochen. Langzeitprovisorien, die beispielsweise im Rahmen der Implantologie zum Einsatz kommen, werden häufig als ein mit Kunststoff oder Keramik verblendetes Metallgerüst gefertigt. Sie werden mehrere Monate getragen.
Die möglichen Funktionen von Provisorien im Überblick
- Aufrechterhaltung der Kaufunktion
- Aufrechterhaltung des Sprachvermögens
- Schutz des abgeschliffenen Zahns vor Kälte, Hitze, chemischen und mechanischen Reizen
- Fixierung der Zahnposition
- Schutz des beschliffenen Zahnbeins – zum Beispiel vor bakterieller Infektion
- Aufrechterhaltung der Ästhetik
- Beobachtung der sogenannten „Okklusion“ (des “Bisses”) zur optimalen Anpassung des endgültigen Zahnersatzes
Welche Arten von Zahnprovisorien gibt es?
Wie und woraus wird der provisorische Zahnersatz hergestellt?
Provisorischer Zahnersatz wird meist aus zahnärztlichen Kunststoffen gefertigt. Gebräuchlich sind zum einen Kunststoffe auf PMMA-Basis (Polymethylmethacrylat), zum anderen moderne Bis-Acryl- bzw. Bis-GMA-Komposite, die sich durch eine etwas höhere Festigkeit und Passgenauigkeit auszeichnen. Für besonders belastete oder länger getragene Provisorien können die Materialien zusätzlich faserverstärkt ausgeführt werden.
Kleinere Provisorien, zum Beispiel für eine provisorische Einzelkrone, können direkt im Mund hergestellt werden. Hierfür wird vor dem Abschleifen des betroffenen Zahns ein Abdruck genommen. Der als Form dienende Abdruck wird nach dem Abschleifen mit Kunststoff gefüllt und auf den Zahn gesetzt. Anschließend wird der so entstandene „Rohling“ in Form gefräst, geschliffen und poliert.
Die Herstellung eines Langzeitprovisoriums wie zum Beispiel einer provisorischen Brücke erfolgt hingegen im Dentallabor. Beim klassischen Ablauf wird hierzu auf Basis der Kieferabdrücke (oder eines optischen Abdrucks) ein Gipsmodell erstellt, auf welches der Kunststoff übertragen wird. Ist eine besondere Stabilität erforderlich, wird der provisorische Zahnersatz mit einem Stahlgerüst gefertigt. Die Befestigung des Zahnprovisoriums erfolgt – je nach Art des Provisoriums – durch Zementieren mit semipermanenten Zementen.
Die schnelle Alternative: Provisorien mit CAD / CAM
Wann ist ein Provisorium nötig? Wann nicht?
Ein Provisorium ist immer dann sinnvoll, wenn zwischen der Vorbereitung und dem Einsetzen des endgültigen Zahnersatzes Zeit vergeht – etwa bei einer im Labor gefertigten Krone oder Brücke oder während der mehrmonatigen Einheilung eines Implantats.
Nicht immer ist ein Provisorium jedoch erforderlich: Mit der modernen CAD/CAM-Technologie lässt sich hochwertiger Zahnersatz wie eine Krone häufig noch am selben Tag herstellen und einsetzen. In diesen Fällen entfällt die Wartezeit – und damit oft auch die Notwendigkeit eines Provisoriums. Ob das in Ihrem Fall möglich ist, besprechen wir individuell.
Wie wird das Provisorium durch den endgültigen Zahnersatz ersetzt?
Endlich ist der große Tag da. Ihr endgültige prothetische Versorgung ist fertig. Der provisorische Zahnersatz wird entfernt und durch den endgültigen ersetzt. Bei den künstlichen Zahnkronen – Einzelkronen oder in Brücken und Teilprothesen eingearbeiteten Ankerkronen – achtet der Zahnarzt darauf, dass die Kronenränder richtig abschließen. Unter zu langen Kronenrändern können sich leicht bakterielle Beläge bilden, die zu Zahnfleischentzündungen oder – bei Befestigung auf Implantaten – zu einer Periimplantitis führen können. Sind die Kronenränder hingegen zu kurz, liegt ein kleiner Teil des abgeschliffenen Zahns frei, was ihn hitze- und kälteempfindlich machen kann.
Optimalerweise sitzt der Zahnersatz bereits am ersten Tag der Anpassung perfekt. Manchmal lassen sich jedoch Nachjustierungen nicht vermeiden, gerade bei herausnehmbarem Zahnersatz.
Was kostet provisorischer Zahnersatz?
| Art des Provisoriums | Kosten (Orientierung) |
|---|---|
| Provisorische Krone | ca. 50 – 100 € (oft im Kronenpreis enthalten) |
| Provisorische Teil-/Interimsprothese | ca. 150 – 300 € |
| Provisorische Brücke | ca. 300 – 500 € |
| Festsitzende Klebe-/Marylandbrücke (Langzeit) | ab ca. 1.500 € |
Provisorium richtig pflegen
Ein Provisorium ist empfindlicher als der spätere endgültige Zahnersatz. Mit der richtigen Pflege überbrücken Sie die Tragezeit aber problemlos:
- Gründlich, aber sanft reinigen: Putzen Sie das Provisorium wie Ihre natürlichen Zähne. Gerade den Übergang zwischen Provisorium und Zahnfleisch sollten Sie nicht aus Sorge aussparen – dort sammeln sich sonst Beläge, die Zahnfleischentzündungen oder Karies am Kronenrand begünstigen.
- Zahnseide vorsichtig anwenden: Da Provisorien nur mit einem lösbaren Zement befestigt sind, ziehen Sie die Zahnseide seitlich heraus, statt sie nach oben herauszureißen – so löst sich das Provisorium nicht versehentlich.
- Harte und klebrige Speisen meiden: Nüsse, Karamell, Kaugummi oder sehr Zähes können das Provisorium lockern oder beschädigen. Kauen Sie möglichst auf der gegenüberliegenden Seite.
So bleibt das Provisorium bis zum Einsetzen Ihres endgültigen Zahnersatzes funktionsfähig und das darunterliegende Zahnfleisch gesund.
Häufige Fragen zu Zahnprovisorien
Wie lange trägt man ein Provisorium?
Das hängt von der Behandlung ab: Eine provisorische Krone oder Brücke wird meist nur ein bis drei Wochen getragen, bis der endgültige Zahnersatz aus dem Labor kommt. Ein Provisorium während der Einheilung eines Implantats bleibt dagegen oft mehrere Monate (etwa drei bis sechs). Grundsätzlich gilt: So kurz wie möglich, so lange wie nötig.
Was mache ich, wenn sich mein Provisorium löst oder herausfällt?
Bewahren Sie das Provisorium auf und suchen Sie möglichst zeitnah – idealerweise innerhalb von 24 Stunden – unsere Praxis auf, damit wir es wieder befestigen oder erneuern. Kleben Sie es nicht dauerhaft selbst ein. Bis zum Termin sollten Sie den freiliegenden Zahnstumpf schonen und dort nichts Hartes kauen.
Darf ich mit einem Provisorium normal essen?
Weitgehend ja. Meiden Sie in der Tragezeit aber harte und klebrige Speisen wie Nüsse, Karamell oder Kaugummi, die das Provisorium lockern könnten, und kauen Sie bevorzugt auf der anderen Seite.
Gibt es auf ein Provisorium eine Gewährleistung?
Da ein Provisorium bewusst eine zeitlich befristete Übergangslösung ist, gilt nicht die zweijährige Gewährleistung wie für endgültigen Zahnersatz. Löst sich ein Provisorium jedoch ohne unsachgemäße Belastung schon nach kurzer Zeit, kümmern wir uns selbstverständlich darum.
Quellen
- Ahlholm P, Sipilä K, Vallittu P, Jakonen M, Kotiranta U.: Digital Versus Conventional Impressions in Fixed Prosthodontics: A Review. Journal of Prosthodontics 2018; 27(1): 35–41. Link
- Strassler HE.: Fixed prosthodontics provisional materials: making the right selection. Compendium of Continuing Education in Dentistry 2013; 34(1): 22–30. Link